Achtsamkeit

In Büchern, Fernseh- und Radiosendungen, Zeitungsartikeln, Podcastfolgen und wissenschaftlichen Studien erfreut sich das Thema Achtsamkeit in letzter Zeit sehr grosser Beliebtheit. Doch was ist unter Achtsamkeit eigentlich zu verstehen?

 

Die wohl bekannteste Definition von Achtsamkeit stammt von Jon Kabat-Zinn, dem Begründer des MBSR-Programms:

 „Achtsamkeit beinhaltet, auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein: bewusst, im gegenwärtigen Augenblick und ohne zu urteilen. Diese Art der Aufmerksamkeit steigert das Gewahrsein und fördert die Klarheit sowie die Fähigkeit, die Realität des gegenwärtigen Augenblicks zu akzeptieren. Sie macht uns die Tatsache bewusst, dass sich unser Leben in einer Folge von Augenblicken entfaltet – dass es aus nichts weiter als diesen Augenblicken besteht.“¹

 

Der heutige moderne, rasante Lebensstil steht jedoch häufig im Gegensatz zu einer achtsamen Lebensweise. Er verleitet uns vielmehr zum Multi-Tasking². Zudem sind wir mit unseren Gedanken häufig nicht da, wo wir wirklich sind, sondern befinden uns mit ihnen längst in der Zukunft oder hängen gedanklich noch in der Vergangenheit fest¹. Folglich bestreiten wir den Alltag oft im Autopilot-Modus – in einem Zustand in dem wir uns unserer Erfahrungen, unserer Entscheidungsfindung und unseres Tuns unbewusst sind³. Und wenn wir nicht aufpassen, kann es unweigerlich passieren, dass dieses roboterhafte Dasein letzten Endes zu einem Grossteil unseres Lebens wird – dass wir nie vollkommen im jetzigen Augenblick anwesend sind, obwohl das Hier und Jetzt der einzige Moment ist, indem wir leben, wachsen und uns verändern können¹. Dies führt dazu, dass wir den Kontakt zu uns selbst – „zu unserem Herzen und unserem eigenen Lebensweg“ – verlieren, was auf lange Sicht unserer Gesundheit und der Gesellschaft als Ganzes schadet³.

Die Fähigkeit, ein achtsames Leben zu führen, können wir jedoch wieder lernen². Achtsamkeit wird auch als „Kunst, bewusst zu leben“ bezeichnet¹. Sie ermöglicht uns, vollkommen präsent zu sein und zu all unseren Erfahrungen welche sich im gegenwärtigen Moment zeigen, in eine liebevolle Beziehung zu treten – auch zum Schmerzhaften und Unangenehmen³. Diese Art der Aufmerksamkeit erlaubt uns folglich, unseren Lebensweg selbstverantwortlich zu gestalten, bewusst zu entscheiden und zu handeln. Es wird uns möglich, ein zufriedeneres Leben mit mehr Weisheit und Harmonie zu erlangen und vor allem in Kontakt mit uns selbst zu sein¹.

Der vorliegende Text basiert auf folgenden Quellen:

1: Kabat-Zinn, J. (2015a). Im Alltag Ruhe finden. Meditationen für ein gelassenes Leben (2. Aufl.)München: Droemer Knaur.

2: Esswein, J. T. (2014). Achtsamkeitstraining (8. Aufl.). München: Gräfe und Unzer Verlag.

3: Kabat-Zinn, J. (2015b). Das Abenteuer Achtsamkeit. Wie Sie Weisheit für Körper, Geist und Seele entwickeln. Freiburg: Arbor Verlag.